Ohne Maulkorb, mit kalter Schnauze, dickem Fell und festen Schuhen

Ohne Maulkorb, mit kalter Schnauze, dickem Fell und festen Schuhen


So unterwegs mit meinem Hund treffe ich auf einen seiner Artgenossen.
Mit Maulkorb. Allein.
„Damit er ein bissl mehr Freiheit und Auslauf hat“ – so die Argumentation seines Besitzers einige Zeit danach. Was sich DAVOR abgespielt hat, ist eine andere Sache.
Immer wieder ist der Vierbeiner alleine unterwegs und verteidigt sein Revier – recht ausgedehnt, so erfahre ich bei den Gängen mit meinem Rüden. Dieser eskaliert an der Leine – Instinkt oder Spinnerei oder mich beschützen wollen … ?
Das steht hier außer Frage.
Natürlich passt mir das nicht.
Natürlich überlege ich, wie ich die Situation meistere.
Es kam sogar soweit, dass ich einige Male eine andere Strecke nahm oder gar umdrehte – weil ich mich dem gar nicht stellen wollte.
So. Immer wieder so. So oder so:

Irgendwann wurde es mir zu bunt.
Irgendwann hatte ich genug und ich stellte mich ihm in den Weg.
Schrie ihn an.
Mit klaren Gebärden und … hatte Erfolg: Er drehte um und rannte davon.
Diese klare Ansage bekamen auch die Hundebesitzer noch zu hören und weil ich mit meiner Auffassung nicht alleine war, hatte es Folgewirkung.
Für den Hund leider nicht die gute.

Soweit die Geschichte davor. Deshalb „Geschichte“, denn sie ist Vergangenheit.

Dass er jetzt mit Maulkorb „frei laufen darf“, hat die Sache völlig verändert.
Er bellt immer noch und läuft ein Stück weit auf uns zu.
Solang meiner an der Leine ist (und nicht gerade lautlos …) passiert nichts.
Von der Leine gelassen …. wäre die Situation nicht abzuschätzen.
Nur: Das tu ich dem anderen nicht an.
Noch nicht.
Bellender Hund mit Maulkorb und somit hilflos.
Meiner begehrt immer noch auf, wenn auch weit weniger.
Er „checkt“ wohl nicht, dass der andere einen Maulkorb trägt.
Noch nicht.

Letzte Woche – ein traumhafter Wintertag mehr – stapfe ich durch den Tiefschnee mit Linux – so heißt er und ist er: unser „Betriebssystem“.

Dem wird er gerecht und ein guter Freund meinte, ob Windows es nicht getan hätte … wie recht er hatte!
Aber das ist eine andere Geschichte. Dazu ein andres Mal …

Völlig im freien Gehen versunken, denke (DENKE!) ich gar nicht mehr an den Maulkorbhund und passiere die Strecke.
Linux trägt sein Lieblingsspielzeug und läuft ohne Leine. Ebenfalls am Haus vorbei (ebenfalls nicht DENKEND, da Hund und im Augenblick instinktiv keine Gefahr da).

Danach schießt es mir:
‘Der Hund! Ist er nicht da?’

Und noch bevor ich mich umdrehen und die Kontrolle machen wollte, kam mir der Impuls:
Dreh dich nicht mehr um!
Wäre ich nicht die Mary, würde da nicht augenblicklich meine philosophische Ader erweckt, resümierend durch meine Sinne fließend und letztlich brodelnd in mir aufsteigend – bis ich schreibend reflektiere.


Ja!

Dreh dich nicht mehr um im Leben, wenn du hingestanden bist und jemandem eine klare Ansage erteilt hast.
Schau nicht mehr zurück.
Schnee von gestern. Das ist Geschichte!

Du hast ihn in die Flucht geschlagen.
Denk nicht mehr dran.
Da gibt es nichts (mehr) zu tun.
Der „Störfried“ auf dem Weg deines befreiten Gehens ist weg.
Der Sinnstifter für dein Handeln ist nicht da. Nicht mehr gegeben.
„Rückfried“ gibt es nicht. Nach hinten ist nichts mehr möglich. Bringt nichts, braucht es nicht und gibt es nicht.
Frieden in mir und „meiner Welt“ des Gehens. Meine Erkenntnis gleicht dem wundervollen Tag: Klar, hell und still. Es gibt nichts zu tun.
Da. Da ist da. Immer wieder DA sein, wo du bist. Dann TUST du einfach. Im Moment des Geschehens.
Bleib dabei und handle, wenn er erneut versucht, dir dein Recht auf freies Gehen einzuschränken.
Du hast ihn in die Schranken gewiesen.
Genügt das nicht, wirst du DA handeln, IN der Situation. Nicht davor, nicht danach.
Diese Symbolik kannst du auf so viele Bereiche ummünzen.


Wenn es drauf ankommt, dann lass es auf dich zukommen.
Wenn etwas auf dich zukommt, dann lass es drauf ankommen.

Sofern du aufrecht dastehst und in deiner Stärke bist.
Da bist du verbunden. Erdverbunden (sonst gibt’s Kurzschluss!).
Da bist du verkabelt – mit deinem inneren Wesen, deiner Kraft, deinem Licht.
Da leuchtest du die Leuchten weg.
Da du BIST, was andere vorgeben, zu sein!
Da TRAUEN sich die Schwachen nicht mehr in deine Nähe.
Und wenn die Dummheit sie das doch nochmal tun lässt, wirst du handeln.
Da „verbrennen“ sie sich die Finger an dir – deiner Stärke, deinem Licht, deinem STROM.
Was dem passiert, dafür sorgt das Leben – das liegt weder in deiner Verantwortung, noch musst du dafür Sorge tragen.
Schau du, dass du selbstbestimmt lebst und nicht zum Hund wirst, dem ein Maulkorb angelegt wird. Ob er „arm“ ist oder nicht. Ob er es verdient hat oder nicht. Ob die Besitzer recht handeln oder nicht …

Die Realität ist: Du willst deine Ruhe haben. Und nur deine Schwäche (nennen wir sie hier Gutmütigkeit) würde zulassen, dass du ihm den Maulkorb abnimmst, weil er dir leid tut.
Das tut er dir – dann – ganz sicher wieder: Leid an.
Da „leidest“ du wieder.
Du hast die Wahl.
Von einfach hat keiner was gesagt.

DAS ist es, was endlich frei leben lässt. Befreit gehen lässt.

Sodala.
Hier fließen SO und DA zusammen. Das Wort stimmt friedlich. Lässt Raum.

Einmal mehr überlasse ich es dir selbst, aus dieser Geschichte die Quintessenz zu ziehen.

Ebenso überlasse ich dir die Rollenverteilung, wenn ich hier abschließend schmunzelnd frage:
Who is who?
Ohne Maulkorb, mit kalter Schnauze, dickem Fell und festen Schuhen …?

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